Petrus fährt Jazzern in die Parade
Das Schmuddelwetter am Pfingstsonntag hat den Organisatoren der Streetparade gründlich die Laune verdorben. Kälte und Dauerregen dürften für ein kräftiges Minus in der Kasse der Veranstalter sorgen. Die Besucher, die trotz des Wetters kamen, hatten großen Spaß – denn die Jazz-Bands sorgen tapfer für Stimmung in den Altstadt-Gassen.
„Weißt du, wie die aussehen?” „Ich kann nur Schirme sehen.” In der Zöllnerstraße blicken die Besucher der Streetparade auf eine Hauswand. Von irgendwo da vorne kommt Musik, doch die Band bekommt das beschirmte Publikum weiter hinten nicht zu Gesicht. Ein kleiner Nebenaspekt des verregneten Jazz-Spektakels am Sonntag in der Celler Innenstadt.
Nahmen die hartgesottenen Jazz-Fans, die trotz der Kälte und des Regens den Weg in die Altstadt gefunden hatten, das Wetter noch mit Humor, so verhagelte Petrus den Veranstaltern gründlich die Laune. „Das ist desaströs”, meinte Streetparade-Organisator Jürgen Wippich. Die ganze Nacht habe er nicht schlafen können, so Wippich am Montagmorgen, als die Sonne wieder schien.
Doch es war nicht nur das Schmuddelwetter, das Wippich um den Schlaf gebracht hat. „Ich kann die Leute verstehen, die bei dem Regen erst gar nicht in die Stadt gekommen sind, aber es ist schon sehr ärgerlich, wenn diejenigen, die sich auf den Weg gemacht haben, nicht bereit sind, fünf Euro Eintritt zu zahlen”, so Wippich. Nur etwa 10 bis 15 Prozent der Besucher wären bereit gewesen, den Button zu kaufen.
Der Dauerregen und die niedrigen Temperaturen machten vor allem den Bands zu schaffen. Kaum ein Musiker kam mit trockenen Kleidern durch die Celler Innenstadt. Eine Gruppe ging sogar zwischenzeitlich verloren. Die Herrington Jazzband war zum Wechseln der durchgenässten Kleidung zurück ins Hotel gefahren – und hatte dann den Weg zurück in die Celler Innenstadt nicht mehr gefunden. Kleinere Unstimmigkeiten gab es auch innerhalb der Organisation. Auf der Bühne vor Karstadt weigerten sich die Bands zu spielen. Der Grund: Der Schallpegel, der auf der ffn-Bühne am Großen Plan mit Morgenmän Franky veranstaltet wurde, war so laut, dass die Jazzer dagegen nicht anspielen konnten.
Immerhin, die Besucher, die kamen, hatten ihren Spaß. Egal, ob vor den Bühnen oder in den Straßen. Das Publikum wippte mit und spendete den tapferen Jazzbands großen Beifall, zog mit den Musikern durch die Gassen der Altstadt und verwandelte zusammen mit den Musikern die Residenzstadt in das New Orleans des Nordens – nur war es halt leider nicht so warm wie in der Jazzmetropole von Louisiana.
Gunther Jehle
17.05.2005 08:48; aktualisiert:17.05.2005 08:51
|